Ultrafragola: Ist das der berühmteste Spiegel der Welt?

Er taucht in den Feeds der Modewelt auf, in Hochglanzmagazinen und bei den besten Adressen des Designhandels: ein Spiegel in Form einer Welle, fast zwei Meter hoch, der von innen rosa leuchtet. Der Ultrafragola von Ettore Sottsass ist der wohl meistfotografierte Vintage-Spiegel unserer Zeit, und um kaum ein Stück ranken sich so viele Missverständnisse. Eines davon betrifft seine Farbe: Das warme Orange, für das frühe Exemplare heute gesucht werden, hat Sottsass nie entworfen. Es ist keine Farbe. Es ist ein Alter.

Was ist der Ultrafragola?

1970 entwirft Ettore Sottsass, der gut zehn Jahre später die Memphis-Gruppe mitbegründen wird, für die toskanische Manufaktur Poltronova eine Möbelserie namens Mobili Grigi, die auf der dritten Eurodomus gezeigt wird. Es sind Möbel, die Licht in sich tragen, und der Spiegel ist das einzige Modell der Serie, das je über den Prototyp hinausging. Sein Name ist Programm: Ultrafragola, die Ultra-Erdbeere. Die geschwungene Welle aus opalweißem Kunststoff zeichnet die Kurven des weiblichen Körpers und langes, gewelltes Haar nach; der fast türhohe Spiegel wird auch als Hommage an Lewis Carrolls Alice im Wunderland gelesen: ein Portal in die Welt dahinter. Die Maße sind seit der ersten Auflage unverändert: 100 cm breit, 13 cm tief, 195 cm hoch.

Vom Verriss zum Objekt der Begierde

Berühmt war der Ultrafragola nicht immer, im Gegenteil. Bei seiner Vorstellung wurde er von der Presse verrissen, und über Jahrzehnte hinweg verkaufte Poltronova nur wenige Exemplare. Erst in den 2010er Jahren, mit dem Aufstieg der sozialen Medien, wurde aus dem missverstandenen Experiment das ultimative Selfie-Möbel: Ein Spiegel, der sein eigenes Licht mitbringt, ist für Selbstporträts schlicht unschlagbar. Spätestens seit den Lockdown-Jahren gehört das Ultrafragola-Selfie zum festen Repertoire der Modewelt, bei Influencerinnen wie Emili Sindlev, Nina Sandbech, Linn Eklund oder Viky Rader kehrt die rosa Welle immer wieder ins Bild zurück. Und der Designhandel folgt: Von The Future Perfect bis Artemest führen die schönsten Adressen den Spiegel als Ikone. So wurde aus dem Verriss über fünfzig Jahre hinweg ein Stück, das heute als einer der berühmtesten Spiegel der Welt gilt.

Warum leuchten alte Ultrafragola orange?

Neu gekauft leuchtet ein Ultrafragola zartrosa. Das Orange entsteht erst mit der Zeit: Jahrzehnte des Tageslichts vergilben den opalweißen Kunststoff, und aus dem Rosa der Röhren entsteht ein warmer Bernsteinton. Genau dieser Ton lässt sich weder bestellen noch nachbauen; keine Fabrik mischt ihn. Er wird orange, oder er ist es nicht. Wer heute ein Exemplar mit diesem Leuchten findet, hält also kein verblichenes Möbel in den Händen, sondern eines, das fünfzig Jahre sichtbar gemacht hat. Für Käufer ist genau das der Punkt: Nicht das Alter mindert den Wert, sondern macht den gesuchten Ton möglich. Darum ist das orange Leuchten kein Widerspruch, sondern der Übergang von neu zu begehrt.

Neonröhren oder LED: der kleine, entscheidende Unterschied

Frühe Exemplare arbeiten mit Neonröhren. Ihr Licht wirkt im vergilbten Rahmen pfirsichfarben bis orange, weich und lebendig, wie es nur Gasentladung leisten kann. Spätere Ausführungen setzen auf rosa LEDs, die diesen Ton nicht erreichen. Sottsass selbst hat das Licht seiner Mobili Grigi poetisch beschrieben: "Haben U-Boote nicht ein zitterndes grünes Licht in ihrem Bauch?" Wer abends vor einem leuchtenden Ultrafragola steht, versteht, was er meinte. So wird der Unterschied zwischen den Lichtquellen auch im Raum unmittelbar sichtbar.

Jedes Exemplar stammt aus derselben Form

Bis heute wird jeder Ultrafragola aus der originalen Aluminiumform thermogeformt und bei Poltronova von Hand fertiggestellt. Deshalb sind die Maße über alle Auflagen hinweg identisch, und ein spätes Exemplar ist daher kein Nachbau, sondern ein Original. Das Alter erkennst du darum nicht am Maßband, sondern am Licht. Für Käufer heißt das: Die Größe hilft bei der Einordnung, der leuchtende Ton entscheidet über den Eindruck und den gesuchten Charakter. So schließt der Blick auf die Herstellung direkt an die Frage nach der Echtheit an.

Original oder Nachahmung? Woran du echte Exemplare erkennst

Der Ruhm hat Nachahmer angezogen; inzwischen gibt es Repliken in allen erdenklichen Farben. Vier Dinge trennen das Original von der Kopie und die frühen Jahrgänge von den jüngeren. Erstens die Wellen: Die Kurven der Nachbauten geraten oft zu symmetrisch, das Original lebt von seinen Unregelmäßigkeiten. Zweitens die Maße als Echtheitscheck: 100 × 13 × 195 cm. Von der Originalform gibt es keine Abweichung. Drittens der Farbton bei eingeschaltetem Licht: Pfirsich bis Bernstein statt zartrosa verrät ein frühes Stück. Viertens die Lichtquelle: Neonröhren statt LED. Diese vier Punkte ordnen die Merkmale klar und führen von der Form über das Licht zur Echtheit.

Was kostet ein Ultrafragola?

Neu fertigt Poltronova den Spiegel auf Bestellung; die Preise liegen im oberen vierstelligen Bereich. Auf dem Vintage-Markt entscheiden Alter, Zustand und Lichttechnik: Frühe Exemplare mit Neonröhren bewegen sich im fünfstelligen Bereich, und gerade die gealterten Stücke sind gesucht. Den Bernsteinton kann keine junge Auflage mitbringen, er braucht die fünfzig Jahre, und die lassen sich nicht abkürzen. Wer kauft, sollte daher vor allem auf Licht, Alter und Zustand achten, weil genau diese drei Punkte den Wert bestimmen. So erklärt sich auch der Preisunterschied direkt aus dem Alter.

Wie der Ultrafragola wohnt

Der Ultrafragola braucht keine große Inszenierung, er ist selbst eine. Am stärksten wirkt er dort, wo er abends zur einzigen Lichtquelle werden darf: im Flur, im Schlafzimmer, neben der Garderobe. Seine Welle verträgt sich mit ruhigen Nachbarn, einer Kommode aus Teak, einem klaren Sofa und entfaltet vor unaufgeregten Wänden ihre Wirkung. Wer mutiger kombiniert, stellt ihn zu anderen Ikonen des Mid-Century und des Space Age, aus deren Geist er stammt. So führt seine Wirkung vom einzelnen Raum direkt in seinen stilistischen Kontext.

Der Ultrafragola bei 2nd home

Bei 2nd home steht aktuell ein frühes Modell aus den 1970ern mit Neonröhren wie in der Erstauflage. Wenn dich die leuchtende Seite der Epoche interessiert, führt der Weg weiter zu unserer Seite über Space Age Design und Mid-Century. Und wer Spiegel grundsätzlich liebt, findet bei den Wandspiegeln und in der ganzen Spiegel-Collection weitere Stücke mit Geschichte. Für Käufer ist dieses Modell besonders interessant, wenn frühe Ausführung und originales Licht zählen. So endet der Blick auf den Ultrafragola mit einem direkten Weg zu verwandten Themen.

Neu gekauft leuchtet ein Ultrafragola zartrosa. Erst Jahrzehnte des Tageslichts machen aus dem Rosa jenen warmen Bernsteinton, den keine Fabrik mischen kann.

Er wird orange, oder er ist es nicht. Fünfzig Jahre lassen sich nicht bestellen.

Frühe Exemplare arbeiten mit Neonröhren. Ihr Licht ist weich und lebendig, wie es nur Gasentladung leisten kann. Spätere rosa LEDs erreichen diesen Ton nicht.

Bis heute wird jeder Ultrafragola aus der originalen Aluminiumform thermogeformt und bei Poltronova von Hand fertiggestellt.

Bis heute wird jeder Ultrafragola aus der originalen Aluminiumform thermogeformt und bei Poltronova von Hand fertiggestellt.

Die Kurven der Nachbauten geraten oft zu symmetrisch. Das Original lebt von seinen Unregelmäßigkeiten.

Am stärksten wirkt der Ultrafragola dort, wo er abends zur einzigen Lichtquelle werden darf: im Flur, im Schlafzimmer, neben der Garderobe.

Der Ultrafragola ist der seltene Fall eines Objekts, das zugleich Spiegel, Lampe und Kunstwerk ist. Wer ihn einmal abends erlebt hat, schaltet das Deckenlicht seltener ein.

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